Tagesspiegel relaunch

Ich hab mir bisschen Zeit gelassen, weil ich sehen wollte, was die anderen zum Relaunch von Tagespiegel.de sagen werden, und ich muss sagen: schauen die auf die selbe Seite, wie ich?

Vom Layout fällt sofort dieser web-zwo-nullige gestrichelte Rahmen rechts um die Loginbox unangenehm ins Auge, wenn das das Wichtigste bei einer Tageszeitung ist: Glückwunsch.
Unten noch von der unglaublichen Linkwüste ein Stirnrunzeln und Zillionen Fragezeichen über‘m Kopf generieren lassen, und schon geht’s an die Barrieren und den Code:

Was beim groben visuellen Drüberschauen schon eine bloße Vorahnung aufkeimen lässt, bestätigt sich beim Skalieren, ein grosser Teil der Container haben feste Höhen, der Text purzelt munter hinter andere Container oder über andere Inhalte, ganz grosses Kino. Wenigstens haben die es nicht ganz so scheisse klein gemacht, wie bei der „Welt“, mo man durch extrem kleine Schrift schon als Mensch mit guten Augen zum Skalieren gezwungen wird.

Der Quellcode ist unglaublich schlecht dumm, ein paar Schmankerl:

  • Tabellensuppe war ja bisher in einem Bereich, wo man gerade noch sagen konnte, dass das zwar falsch aber wenigstens nicht haarsträubend ist war, die wurden im Lauf des Relaunches durch sage 600 (sechshundert) Divs ersetzt.
  • Mit wenigen Ausnahmen wurden alle Inhalte, egal, ob das Überschriften, Absätze, Listen oder Tabellen wären, in Divs gepackt, und somit auch gleich die Startseite auf 160kb aufgeblasen. Reife Leistung.
  • 100 Fehler im HTML für einen Relaunch? Beispiel gefällig?
    <ul class='articles_related'></ul>
  • Versteckter Text ganz innovativ: <span class="ps_rs_versteckt" id="link_1785148"> href="#" onclick="var
    los =multimedia(‘/medien/cme1,139662′);;return(false);" onmouseover="return(true)"</span>
    Und derart umfangreich…
  • Abstände setzt man fast konsequent mit No-Breaking Spaces, oder ganz galant via <nobr>, titles per Javascript usw. usf.

Danke für die nette Abendunterhaltung, noch mal neumachen bitte.

Link: Tagesspiegel
Andere Stimmen dazu:
Die Schönste im ganzen Land (was?) (medienlese.com)
Eleganter Tagesspiegel-Online (Fontblog.de)
Tagesspiegel, Relaunch (onlinejournalismus.com)
Etwas kritischer:
Ein kurzer Blick auf tagesspiegel.de (netzausfall.de)

Technorati Tags: , , , , ,

15 Kommentare to “Tagesspiegel relaunch”

  1.  Flo schrieb am 08. Jun 2007 um 4:37 zitieren

    Wenn man sich die Website der Agentur anschaut, die das gemacht hat, weiß man was die Uhr geschlagen hat (alte Bauernweisheit), und ja, die ist mindestens genauso seltsam gestrickt. :)

  2.  Zapp schrieb am 08. Jun 2007 um 11:03 zitieren

    Danke, auf diesen Beitrag habe ich gewartet, deine einleitende Frage habe ich mir nämlich auch gestellt. Mein Favorit ist ja die Ansicht der Startseite bei abgeschaltetem CSS. Was sollen die “.ps_rs_versteckt“-klassifizierten Textwüsten eigentlich bewirken?

    Aber die Kommentare zeigen mal wieder, dass immer noch die Technik hinter einer Seite egal zu sein scheint, solange sie in den grossen grafischen Browsern bei Standardeinstellungen gut ausschaut.

  3.  Mike® schrieb am 08. Jun 2007 um 13:04 zitieren

    Ah lol, das mit den versteckten Texten is mir gar nicht aufgefallen, das is ja herzallerliebst hart blöd, das nehm ich mal noch oben mit rein :)

  4.  Greg schrieb am 08. Jun 2007 um 23:44 zitieren

    Wenn’s wenigstens optisch besser geworden wäre. Aber ich finde, vorher sah die Site übersichtlicher aus. Die neue verwirrt mich eher und wenn ich Nachrichten lese, will ich Ent- statt Verwirrung. Technisch als Schulnote würde ich eine 5 geben.

    Ich verlange ja keine 100%ige Idealsite, aber das muss auch nicht sein.

  5.  Mike® schrieb am 09. Jun 2007 um 2:19 zitieren

    Ach shayze, ich hab vergessen, Noten zu vergeben :)
    Danke Greg.

  6.  Mike® schrieb am 09. Jun 2007 um 2:55 zitieren

    Noch eine interessante kritische Betrachtung von dem Dreck:
    http://yatil.de/Weblog/der-neu.....-frechheit

  7.  Thomas Zydek schrieb am 16. Jun 2007 um 1:10 zitieren

    Nuja,

    meckern ist easy… Diese Seite hier sieht für mich gerade so aus (Screenshot):

    http://home.versanet.de/~thewellbeing/

    Und beim Tagesspiegel haben wir 840.000 Seiten auf ein neues CMS, auf neue IPs und auf eine neue Servicecompany geschoben… Und für echte Fehlerkorrektur war keine Zeit, weil wir mit der Seite unseren Lebensunterhalt verdienen, auch wen wir dies vielleicht langsamer angehen wollten, war es doch notwendig. Eure Kommentare lesen sich deshalb etwas unglaubwürdig in Bezug auf Erfahrung mit größeren Projekten…

  8.  Mike® schrieb am 16. Jun 2007 um 1:51 zitieren

    Hallo Thomas, danke für’s Feedback, wusste nicht, dass es auch Leute gibt, die tatsächlich im Jahr 2007 noch mit IE surfen :o
    Nee ernsthaft, ich werd bei Gelegenheit mal schauen, was das wieder für ein Bug ist.

    Was die „Rechtfertigung“ betrifft, ich weiss sehr wohl (nicht nur vom daherlabern, sondern aus eigener Erfahrung), was für eine Mordsarbeit das ist. Und dieses Wissen setze/n ich/wir bei unseren Lesern hier auch weitgehend voraus, so dass man das bei Code-betrachtung nicht ständig wiederholen muss.
    Wäre auch irgendwie langweilig, drüber zu sinnieren, wieviel Arbeitsstunden, Mühe und Fleiss da zu investieren waren, und was alles richtig gemacht wurde. Dass die Seite online ist, sieht man auch so.

    Was Dein „Meckern“ vs: „Lebensunterhalt“ betrifft, so muss ich Dir zustimmen, meckern ist easy und hier mit dem Weblog wird kein Lebensunterhalt verdient. Got the Point? Nee? Ok:

    Ich bin eine Weile aus dem „Big Business“ a la Tagesspiegel raus, weiss aber im Groben was für Geld da fliesst. Wenn ich jetzt hier mit einer Zahl jongliere und bei einem Zehntel lande, wirst Du mich mit genaueren Zahlen im Hinterkopf sicher still auslachen.
    Egal was es gekostet hat, mit so etwas (oder oben angeschnittenen ernsten Problemen) seinen Lebensunterhalt bestreiten und (zugegeben, in der Wortwahl nicht allzu freundliche) Kritik als „meckern“ zu bezeichnen, statt sich in die Spur zu machen und wenigstens das Gröbste sofort zu fixen, ich weiss nicht Recht, vielleicht mal einen Berater hinzuziehen, ich für meinen Teil wäre da recht bescheiden ;)

  9.  Greg schrieb am 16. Jun 2007 um 10:44 zitieren

    Hi Thomas,

    es ist uns schon klar, dass es kein Pappenstiel ist, ein Projekt dieser größe zu relaunchen. Die von Mike kritisierten Punkte im Quelltext sind aber eigentlich keine Probleme der Inhaltsmenge. Die Skalierbarkeit etwa wäre bei weniger Seiten auch nicht besser. Oder Title-Tags mti JavaScript, das muss auch nicht sein. Dass ihr unter Zeitdruck gesetzt wurdet, weil Zeit halt Geld ist, und ihr noch nicht alle Fehler vor dem Relaunch beseitigen konntet, kann ich auch verstehen. Aber man kann doch trotzdem auf die noch offenen Fehler hinweisen, oder nicht?

    Also ich find’s wie gesagt nicht prall. Evtl. gefällt’s ja anderen eher – mir egal, ich verdien‘ ja nichts an der Werbung auf eurer Site ;)

  10.  Thomas Zydek schrieb am 16. Jun 2007 um 11:05 zitieren

    Hi Mike,

    wir sind über Feedback und gefundene Fehler immer froh, natürlich arbeiten wir mit Hochdruck an momentan von uns als wichtig eingeschätzten 127 Fehlern. Nur denken immer alle, das die Verlage da unendliche Ressourcen verballern können, leider sind die gerade bei uns sehr endlich. Insofern ist hier unsere eigene Unzufriedenheit die Größte, ich hätte auch gern ein anderes Redaktionssystem, was schon mal was von SEO gehört hat und Techniker, die nicht alles mit Javascript lösen wollen… Soll heißen, bei der Masse an Fehlern sollte einem schon klar sein, das wir die selbstverständlich auch sehen… Warten wir mal ab, wie es weiter geht.

  11.  kosmar schrieb am 17. Jun 2007 um 8:48 zitieren

    @thomas
    die gründe die im ersten kommentar genannt wurden, sind keinerlei begründung für solche strukturellen mangelhaftigkeiten. wenn man eine seite neu macht, dann ist eben alles neu. und wenn man das mit „neuem cm“ macht, dann muss man eben jemand nehmen, der sich damit auskennt. und mit einer „neuen servicecompany“ … ist damit gemeint, dass alle Dienstleister mit denen man neu zusammenarbeitet automatisch unprofessionell sind? und was wäre besser wenn sich die IP nicht geändert hätte?

    nein, ich habe mir den quelltext nicht genau angesehen, mein budget ist auch begrenzt.
    ich habe nur mal zwei der 20+ css dateien angesehen. und gefunden das es eine konstrukt namens .article .headline und eine menge klassen mit namen wie .light_blue gibt. das reicht mir eigentlich schon.

    ansonsten glaube ich jetzt einfachmal dem beitrag hier und bei yatil.

    was in den beiträgen beschrieben ist, stellt sich für mich nicht als flüchtigkeitsfehler dar, die man einfach mal so nebenbei ausbügelt, wie ein broken image etwa. (was in eurer beschriebene lage dann ja noch schlimmer ist …)

    das ist zwar spekulativ aber ich denke manche der sachen zeugen schlicht von sowas ähnlichem wie unkenntnis und wären semantisch und valide vielleicht sogar erheblich billiger umsetzbar gewesen. das die accessibility (mangelnde skalierbarkeit oder fallbacks z.b) mal leidet ist zwar ziemlich unsympathisch und mE auch viel zu kurz gedacht, aber bei ressourcenknappheit leider nachvollziehbar. aber warum in aller welt kommt kommt man auf so schmale bretter wie javascript-titles oder nbsp und nobr?

    sicher, fehler passieren, auch solche strukturellen. wenn ein projekt online geht, an dem ich als designer beteiligt war, halte ich auch jedesmal den atem an, ob da nicht auch ein klops drin ist. man steckt eben nicht in jedem kollegen drin (das wär ja nochmal schöner …)

    meiner erfahrung nach würde ich bei so einem ergebnis den verantwortlichen frontend-techniker im projektmeeting mal unauffällig nach seinem studienort fragen … die im beitrag gemachte anmerkung „neumachen bitte“, läge mir wohl vielleicht auch auf den lippen.

    der zweite kommentar liest sich schon besser, und bei echt begrenzten budgets ist es natürlich schwerer menschen und technik nach w3c standards auszusuchen. das verstehe ich.

    so, mE lachhaft, in blogs rum-retour-zu-kutschieren wie hier und dort, ist durchaus mit extremer eigener frustration verständlich zu machen. und so lese ich den zweiten kommentar nun.

    sich für die kostenlose fehlersuche zu bedanken und besserung zu geloben, wäre für alle diskutanten sicher besser als nächtlich peinliche screenshots hochzuladen. peinlich für den hochladenden in diesem fall.

    aber was hab ich selbst schon nachts für käse kommentiert … geschenkt also.

    viel erfolg und gute nachbesserung.

  12. [...] 20 Minuten zuvor war er übrigens mit der gleichen Laufmasche bei trash-wissen und gibt dort zumindest noch Erklärungsversuche bei und [...]

  13. [...] scheinbar fehlerhafte Implementierung mir von hochoffiziell überbezahlter Stelle bescheinigt wurde, wollte ich mal loswerden, dass mit Stephans überbordender PHP-affinität ein [...]

  14.  Lab-O-Log schrieb am 23. Jun 2007 um 19:29 zitieren

    tagesspiegel, Webstandards und Datensammeln…

    Der tagesspiegel-Relaunch macht nicht allen Freude…

  15. [...] Auch bei Trash Log seltsame (und später etwas weniger seltsame) Erklärungsversuche [...]

Trackback-Adresse | RSS-Feed für die Kommentare abonnieren

Hinterlasse einen Kommentar:


(Wir behalten uns vor Kommentare von dummen Menschen entweder zu löschen oder exemplarisch für die Nachwelt zu konservieren. Dumme Kommentare mit Werbelinks müssen leider auf zweiteres Privileg verzichten.)

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>