Barrierefrei und Spass dabei Ⅱ

Man nehme:

  • In Layouttabellen gezwängte Inhalte
  • In Tabellenzellen gezwängte Linklisten (natürlich ohne Listen oder sonstiges Markup), Beispiel für einen (1!) Menüpunkt:
    <tr><td colspan="2" class='smenupointtext' style="padding-right:5px; padding-left:5px; padding-top:3px; padding-bottom:3px;" id="nav_1"><a href='index.php?id=0,1&amp;PHPSESSID=2ldcnimgdd0fidvovg6r9b2ppvlijvmp' class='smenu' title="Navigation: Startseite">Startseite</a></td></tr>
    <tr><td class="divider" colspan="2"><img
    src="mat/space.gif" width="1" height="1" alt=""></td></tr>
  • „Sprechende“ URLs der Art: index.php?id=0,15&PHPSESSID=70q324p7mmtafhupj8kl7j3n07oterd3
  • via Javascript öffnende (Voll)Bilder
    • die sich dann doch als genauso grosses wie das Vorschaubild entpuppen
  • Zusammenhangfreie Alternativ-texte für Dekobilder der Art, dass bei deaktivierten Grafiken einsam und verloren irgendwo auf der Seite Text etwa der Art steht:

    StadtpfarrkircheStadtbad Stadttor

    Oder schöner noch solch innovative Schmonze:

    druckenDrucken zurück nach obenzurück nach oben

  • man verzichte weitgehend auf Überschriften und auch sonstwie halbwegs semantischen Markup und verwende stattdessen <b>, <font>, <br> und dergleichen Spässe


Und führe das in der Art noch konsequent weiter und weiter.

Wenn man das dann soweit hat, schmiere man an diesen ungeheuerlichen hanebüchenen Riesen-Scheissdreck noch ein:

Mit unseren neuen Internet-Seiten haben wir auch die Vorgaben für die Gestaltung behindertengerechter Internet-Auftritte eingehalten. Das Ergebnis ist für uns und vor allem für sehbehinderte Internet-Besucher erfreulich, denn unsere neuen Seiten sind barrierefrei.

dran; Voila, fertig ist die Barrierefreie Seite!

Unmöglich? Nein: Neue Homepage barrierefrei (vilsbiburg.de)

via: Die Debatte über Zertifikate und Testverfahren zur Barrierefreiheit ist beendet … (blog.xwolf.de)

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7 Kommentare to “Barrierefrei und Spass dabei Ⅱ”

  1.  Zapp schrieb am 09. Aug 2007 um 17:51 zitieren

    Ds Erschrenkende ist ja, dass die Agentur, die dieses Verbrechen zu verantworten hat, damit offensichtlich auch noch durchkommt.
    Die Anzahl der Gemeinden, die niemanden in verantwortungstragender Position haben, der sich auch nur halbwegs mit Barrierefreiheit auskennt, ist erschreckend lang.

    Hast du dem Herrn Braumann eigentlich einen Link zum Blogeintrag geschickt? Der wird sich sicher nicht selbst die Referrer anschauen und wahrscheinlich gar nicht wissen, für was er seinen Namen hergibt.

  2.  Phil schrieb am 09. Aug 2007 um 19:58 zitieren

    In meinen Augen, nicht generellgültig, subjektiv gesehen, dieseaussagespiegeltdiemeinungdesautorenwider, meiner Meinung nach ist das Betrug. Da ist nichts behindertengerecht.

    Es tut echt weh, lesen zu müssen, dass eine HTML-Validität einer Barrierefreiheit gleichgesetzt wird.
    Schade, dass solche „Webdesign“agenturen noch am Markt sind und offensichtlich auch noch Zulauf haben. Die scheinen einen guten Vertrieb zu haben.

    Meiner Meinung nach, dieseaussagespiegeltdiemeinungdesautorenwider, subjektiv gesehen, nicht generellgültig, in meinen Augen.

  3.  Mike® schrieb am 09. Aug 2007 um 20:28 zitieren

    Zapp, das wohlmeinende Mailschreiben hab ich schon lange aufgegeben, aus mehreren Gründen, einerseits, weil man, wenn man doch tatsächlich einmal Feedback zurückbekommt, kostenfrei für Erklärungen etc. Unmengen zeitliche Ressourcen binden darf, andererseits ist’s auch nicht unüblich, dass eine Agentur die Kommunikation gleich mit übernimmt. (Auch ich mache das teilweise so, wenn ich auch genug Ehre im Leib habe, bei von mir verursachten Problemen so lang zu rotieren, bis es passt). Nee sorry, vielleicht mags ja jemand anders probieren.

    Phil, das „Meinung“ kann man sich hier eigentlich sparen, was anders als Betrug soll das Desaster da sein, wenn nicht Doofheit? Ehrlich, mir fällt da nichts ein.
    Und übrigens, es heisst: „Segelyacht“, nicht „Vertrieb“. Oder verwechsel ich da grad was? 😀

  4.  Phil schrieb am 10. Aug 2007 um 7:57 zitieren

    @Mike:
    Letztendlich werden so viele Blogs abgemahnt, weil geschrieben steht, dass eine Firma Betrug betreibe, aber ohne Differenzierung, dass es die eigene Meinung sei, sodass es juristisch als Fakt und damit als rufschädigend der entsprechenden Firma gegenüber gilt, dass ich lieber sowas dazu schreibe, als dass ich dich in irgendwas reinreite, wo weder du noch ich was Tolles von haben, trotz dessen, dass die Berichterstattung durchaus ihren Wert hat.

    Ein Bandwurmsatz am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen 😉

  5.  Gerald schrieb am 10. Aug 2007 um 13:40 zitieren

    Heute bin ich irgendwie lustig drauf und habe mir gerade eine halbe Stunde nen Ast abgelacht.

    Juristisch kann ich das nicht beurteilen, aber das ist völlige Naivität. Und vor Dummheit schützt sowieso kein Gesetz. (Traurig nur, dass das mit Geld der Gemeindebürger geschieht.)

    Mir kommt diese „Agentur“ vor wie eine Relikt („wir bauen dir eine Hompätsch“) aus dem vorigen Jahrhundert.
    Naja, in Bayern scheint die kommunale Dienstleistung der „Agentur“ voll gefragt zu sein.

    Schluss jetzt … ich kann mich nicht mehr halten, ich versinke gerade wieder in einen Lachkrampf.

  6. [...] hatte ich es ja hier schon einmal mit DEM Paradebeispiel schlechthin für grottigste kommunale Webseiten, wo man meiner [...]

  7.  Zapps Blog schrieb am 26. Sep 2007 um 18:00 zitieren

    Sehr gute Website…

    Normalerweise verursachen mies erstellte Webseiten lediglich frustrierte Ex-Besucher, die Website der SEB-Bank stellte hingegen für die Kunden dieser Bank ein handfestes finanzielles Risiko dar: Online Banking fatal (heise security).
    Dass die Ba…

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