Wer ist eigentlich diese ominöse Datenkrake?

Wem die folgende Geschichte zu länglich ist, darf hier direkt zum Fazit springen.

  • Mit Google Adsense
    kann man einfach und bequem Werbung auf Webseiten einbinden und gleichzeitig gegen den Willen Deiner Besucher die Tracking-DB von Google dahingehend bereichern, wer wann Deine Seite besucht hat.
  • doubleclick.net
    siehe Adsense
  • Mit google maps
    kann man Landkarten auf der Webseite einbinden und gleichzeitig gegen den Willen Deiner Besucher die Tracking-DB von Google dahingehend bereichern, wer wann Deine Seite besucht hat.
  • Mit Picasa
    kann man Fotos verwalten. Benamen, Taggen, uploaden, sortieren, bloggen und was das Herz sonst noch begehrt. Demletzt hat mir ein Freund von mir mal alle Fotos gezeigt, die er mit meinem Namen getaggt hat. Sag ich: „Ääh, Google weiss also bei jedem Bild wo ich drauf bin, wie ich heisse?“ „Nein, ist nur lokal installiert“. „AGB gelesen?“ „Nee.“
    Hab ich dann mal gemachtversucht. Da steht leider nichts beruhigendes (allerdings wohlweislich auch nichts wirklich beunruhigendes) drin. Also hab ich mir das mal lokal installiert und via Wireshark geschaut, was da so rein- und rausgeht. Ich bin kein grosser Held der Traffic-analyse, wenn aber Wireshark bzw. meine Augen nicht hinterherkommen zu verfolgen in welcher notorischen Hektik Daten mit google.com, blogger.com(häh?), blogspot.com(häh?) usw. ausgetauscht werden, dann lob ich mir die lokale Installation, die fehlenden Einstellmöglichkeiten des Programms und die nichtssagende AGB/Datenschutzerklärung. Nach den Online-Alben frag ich besser erst nicht.
    Bezeichnend an der Sache ist, dass man das ganze Netz nach Informationen zum Datenschutz bei speziell diesem Dienst absuchen kann oder ob schon mal jemand mit etwas mehr Plan in die Richtung gewiresharkt hat ohne ansatzweise fündig zu werden. Das wird entweder Augen zu und durch lokal installiert oder online alles zu und durch ge“sharet“.
    Google weiss also unter bestimmten Umständen wie „Karl Meier“ aussieht und Karl Meier weiss nichts davon, und wird es unter Umständen nur durch Zufall erfahren.
  • Google-analytics
    ist ein Script, mit dem Betreiber von Webseiten verfolgen können, welche und wieviel Besucher sie haben, welche Browser die verwenden und all den anderen Kladderadatsch, den andere Trackingscripte wie AWstats, Piwik und dergleichen immer schon machen. Unterschied: die Statistiken landen nicht nur beim Betreiber, sondern auch gegen den Willen aller Beteiligten in der Tracking-DB von Google.
  • Web-Font-api
    Wer Webfonts verwendet, bindet diese mittlerweile in aller Regel via „Google Webfonts“ ein. Das bringt unter bestimmten Bedingungen weniger Traffic, schnellere Ladezeiten, einen Eintrag in der Tracking-db von Google, und eine Kerbe in der Wahrnehmung der Urheber der Schriften.  Ausgewählte Suchergebnisse für google webfonts api: 

    Google spendiert quelloffene Webfonts

    Die Google Web Fonts: Beliebte Schriften und praktische Tipps

    Spendabel diese Googles, nicht? Dass an den Webfonts echte Menschen echte reelle Zeit gearbeitet haben und DIESE Menschen diese Schriften zur freien Verwendung freigegeben haben bleibt in der Wahrnehmung eine Fussnote.

  • Über die google api kann man Scripte wie Jquery & Co einbinden. Hier gilt das selbe wie bei den Webfonts.
  • Youtube
    Bringt schnelles und einfaches Einbinden von Videos in Webseiten und einen Eintrag in der Tracking-DB von Google.
  • mit Recaptcha
    kann man dem Milliardenkonzern Google helfen Bücher zu digitalisieren und die Tracking-DB mit Informationen verfeinern wer sich wo wann und wie an welcher Diskussion zu bestimmten Themen beteiligt. Wird bspw. von Seiten wie Netzpolitik.org zwingend vorausgesetzt, wenn man einen Beitrag dort zum Thema Datenschutz oder Big-Brother-Awards kommentieren möchte 😯
  • wüsste man es nicht besser, meint man Google hätte die E-Mail erfunden. Mittels Google Mail kann man all die schönen Sachen  machen, die andere Web-, Pop- und IMAP-Mailanbieter auch leisten, zuzüglich kann man Googles Tracking um wertvolle Informationen bereichern wie beispielsweise Name, Anschrift und Telefonnummer von Surfer Kevin Meier-Schulze, der auf Youporn bevorzugt Gay-Videos anschaut, oder Karl-Heinz Schmidt, der auf Online-apotheke.tld wöchentlich eine Grosspackung Viagra bestellt oder dass Karin Schneuzheuser-Meinhardt aus Bielefeld sich für Geistheilung und levitierte Kackfrettchen interessiert und über die Woche, wenn Herr Schneuzheuser-Meinhardt in Bochum auf Montage ist, auf der Webseite Singlebörse.tld abwechselnd und manchmal gleichzeitig mit Achim aus Gelsenkirchen, Gerhard aus Buxtehude und Claudia aus Buxtehude (die auch mit Gerhard chattet) chattet .
    Zusätzlich kann man via Google-mail ohne irgendwo explizit zu klicken sein komplettes Adressbuch ohne das Einverständnis aller derjenigen, die darinstehen an Google übermitteln. Nicht nur das, man kann auch sicherstellen, dass eine Mail die man an jemanden schickt, der aus guten Gründen keinen GMail-account hat, gegen den Willen dieses Empfängers von Google indiziert (und theoretisch auch gelesen) werden kann.
  • Feedburner, Blogger.com, docs … zig andere mehr oder weniger nützliche Dienste

Fazit

Das Netz ist voll mit Abhandlungen, wie grundböse Google ist, dass es alles trackt, und die Privatsphäre der User aushorcht, diese Wahrnehmung ist korrekt, interessanterweise steht nirgends, wie Google das macht und wer es verursacht.

Die Verursacher dieses epischen Desasters (mit Ausnahme von Gmail, da sind ALLE Benutzer schuld) sind Webdesigner, „Netzschaffende“, Programmierer, Blogger …  eigentlich (fast ausnahmslos) jeder da draussendrinnen, der irgendwas mit und im Web macht, verschenkt ohne Not und wirklichen Mehrwert mutwillig und bewusst die Daten seiner Kunden, Besucher und sogar  die Daten seiner Freunde an die Datenkrake.

Es ist mittlerweile fast aussichtslos, Seiten im Netz zu finden, die nicht irgendeinen Dienst von Google eingebunden haben.

Darüber muss geredet werden, nicht nur, was Google letztendlich mit den geschenkten Daten macht, oder ob ein User selber Schuld ist, wenn er kein AdblockPlus oder ähnliches nutzt. (Hilft bei Picasa oder oder GMail oder oder… herzlich wenig)
Die Datenkrake bist Du und Du und Du. Die Datenkraken sind Heuchler wie Netzpolitik.org, Heise.de, Golem.de, tausende andere Seiten da draussen, die sich mit Daten und Datenschutz befassen, und selbstverständlich auch fast ausnahmslos alle anderen, die sich mit anderen Themen befassen.

Hat schon einmal jemand von denen, die irgendwelche Google-services (oder andere Dienste ausserhalb von Google wie iwvbox, flattr, facebook, twitter, paypal und so weiter und so weiter) auf ihren Webseiten einbinden, die AGB und die Datenschutzbestimmungen der betreffenden Dienste gelesen? UND verstanden?

Ich glaube kaum.

Google ist böse. Wider besseren Wissens interessiert es nur die wenigsten.

25 Kommentare to “Wer ist eigentlich diese ominöse Datenkrake?”

  1.  Mike® schrieb am 01. Jul 2011 um 17:58 zitieren

    Unfug. Als „IT-ler“ muss man was dagegen tun, bevor sämtliche „IT“ und Daten zu Google, Facebook und Co ausgegliedert ist.
    Von Überraschung kann hier nicht die Rede sein.
    Alle wissen von den Problemen und kaum jemand tut was.

  2.  Julia schrieb am 15. Jan 2012 um 7:32 zitieren

    Der wahre Daten-Super-Gau kommt erst noch, wenn Computer keine Festplatten mehr haben und sämtliche Daten auf Clouds ausgelagert werden. Früher musste Stasi & Co. sich die Daten aufwändig beschaffen, heute geben die meiste sie freiwillig ins Netz … gute Nacht Datenschutz.

  3. [...] Ma kuckn wann endlich irgendein ULD herkommt und denen auch endlich an den Koffer pinkelt. Mehr dazu: Wer ist eigentlich diese ominöse Datenkrake? [...]

  4.  Infobib » Tracking via Google Web Fonts? schrieb am 17. Mrz 2012 um 7:20 zitieren

    [...] Trash-Wissen.de: Wer Webfonts verwendet, bindet diese mittlerweile in aller Regel via „Google Webfonts“ ein. Das bringt unter bestimmten Bedingungen weniger Traffic, schnellere Ladezeiten, einen Eintrag in der Tracking-db von Google, und eine Kerbe in der Wahrnehmung der Urheber der Schriften. [...]

  5.  Mike® schrieb am 17. Dez 2014 um 17:34 zitieren

    Ganz vergessen; Nachtrag zu den Webfonts:

    Mir ist mindestens eine freie „Google-Webfont“-Schrift bekannt, wo der Verfasser einen nicht unerheblichen Betrag von Google bekommen hat, damit er die Schrift optimiert.
    (Soweit ich mich richtig an das Gespräch erinnere, ist das weitgehend Usus.)

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