Die „Lebensmittel-ampel“ ist (hoffentlich endlich) tot.

Ich glaube, dass ich relativ unverdächtig bin mit irgendwelchen Konzernen gemeinsame Sache zu machen, oder allzugrosse Sympathien für die CDU zu hegen:

Diese Kennzeichnung sei zu simpel und wissenschaftlich nicht begründet, betonte die Berichterstatterin Renate Sommer (CDU).

Das sind die Fakten. Völlig egal in dem Falle, auf wessen Gehaltsliste die gute Frau steht.
Seit Monaten wird von selbsternannten Verbraucherschützern in ehemaligen Nachrichtenmagazinen, Medien und Parteien versucht dem „Bürger“ weiszumachen, dass wir eine Lebensmittelampel bräuchten auf Lebensmitteln.
Viel Zucker=Rot, viel Fett=Rot, viel Salz=Rot.
Viel Zucker ist schon mal ein schöner Anfang. Fast ausnahmslos alle Lebensmittel (!) werden mit künstlichen Süssstoffen wie Aspartam, Sacharin, Acesulfam und noch 1000x anderem widerwärtigem Dreck versetzt. Dafür soll’s grün geben? Wer denkt sich so eine abgrundtief dumme Scheisse aus? Am Besten gar kein Zucker mehr? Wie verödet und verblödet muss man sein, um diesen Dreck zu fressen? Und dann noch per Gesetz? Geil!
Wichtig ist einzig die Kombination der Lebensmittel. Wenn ich mich den ganzen Tag ausschliesslich von fettigen und salzigen Pommes mit verzuckertem Ketchup/ Majo ernähre, dann ist das ganz allein meine eigene Blödheit, und nicht die, dass da keine dicken roten Buttons bei Fett und Salz drauf sind.

Gesetzt den Fall, das wäre tatsächlich geil und schmackhaft und überhaupt mit der Ampel, wie machen das dann die Leute? Die holen sich eine Portion Pommes mit Currywurst mit 3 roten Punkten und schmeissen eine Vitaminpille drauf mit 3 grünen Punkten.
Yeah. Wenn ich gross bin, dann werde ich auch Politiker, oder Medienschmierfink, dann kann ich mir jeden Tag auch so ein neues verblödetes Gesetz ausdenken.

P.s.: Wen’s interessiert: ich habe Untergewicht.

Quelle: Lebensmittel-Ampel scheitert an EU-Parlament (Zeit.de)

10 Kommentare to “Die „Lebensmittel-ampel“ ist (hoffentlich endlich) tot.”

  1.  umstellung schrieb am 17. Jun 2010 um 11:36

    Endlich mal eine differenzierte Sichtweise:

    Es ist ein Segen, dass die Ampel nicht kommt!

    Denn

    • Die Auswahl der durch die Ampel beurteilten Inhaltsstoffe ist willkürlich und lässt zB die problematischen Transfettsäuren unberücksichtigt.
    • Die Grenzwerte, bei denen die Ampel umspringt, sind durch die Industrie leicht zu umgehen. Eine nur marginal geänderte Rezeptur kann aus einem ROT ein GELB machen.
    • Unsinnige Bezugsgröße von 100g – das ist auch nicht besser als beim GDA System. Von vielen Lebensmitteln isst man viel mehr, von anderen weniger. Sinnvoll ist, auf eine echte Portionsgröße abzustellen.
  2.  Karin schrieb am 17. Jun 2010 um 13:59

    Klar ist die Ampel nicht 100% ausgereift, aber ich finde, sie bietet gerade für Kinder einen guten ersten Überblick und kann vielen, die sich sonst nicht genauer mit dem Thema beschäftigen, trotzdem einen ersten Anhaltspunkt geben und einen Anstoß, um sich eben doch gesünder zu ernähren.

    Natürlich darf man die Werte nicht allein sehen, aber ich fürchte, dass vielen der hohe Zucker- oder Fettanteil mancher Lebensmittel ohne eine solche Kennzeichnung gar nicht deutlich werden würde.

  3.  Blacker47 schrieb am 17. Jun 2010 um 17:21

    Zucker ist gesund!

    Bezug auf eine Portion ist noch unsinniger als Bezug auf Masse, denn die Portionen sind total wild definiert. Am tollsten ist es, wenn nichtmal angegeben wird, was der Kennzeichner unter einer Portion versteht (habe ich auf einer Senftube gesehen.. 1 Portion enthält…)

    Verallgemeinerte Kennzeichnungen sind wirklich eher kontraproduktiv für den Konsumenten. Eine 3-Werte Ampel total sinnlos.

    Wenn man schon dabei ist die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe zu verbessern, hätte ich lieber eine im „grüner Punkt“ Style Kennzeichnung für Süssstoffe. Die machen echte gesundheitliche Probleme bei starkem Konsum und werden zunehmend in jedes Ding reingeschoben, nur weil die Konsumenten neulich glauben, dass es ungesund ist, wenn auf der Packung steht, es enthalte viel Zucker. Da immer mehr käufliche Produkte Süssstoffe enthalten (sind zudem für den Hersteller billiger), konsumiert man zwangsweise zu viel von dem Zeug.

    Mitlerweile gibt es sogar Früchtekompots, Ketschup, marinierte Gurken mit Süssstoff – echt KRANK. Und oft fällt das meistens erst nach dem Kauf oder gar erst beim ersten Biss. Und dann wundern sich noch alles über das ADS bei Kindern. Unser Gehirn kann mit Süssstoff nichts anfangen – nur die Zunge!

    Natürlich gibt es noch weitere Stoffe, die gekennzeichnet werden sollten. Aber eine Ampel ist halt sinnlos und gauckelt falsche Prioritäten vor.

  4.  Greg schrieb am 22. Jun 2010 um 13:22

    Ich finde das schade. Mir hätte das beim einkaufen geholfen. Die Ampel sagt ja nicht, was man essen kann und was nicht. Aber dass in Ketchup extrem viel Zucker ist, oder ein Hamburger bei McDonald’s den dreifachen Tagesbedarf an Salz hat, obwohl es nicht salzig schmeckt, das hat man i.d.R. nicht so auf dem Schirm. Welche Sachen da drin sind, kann ich mir ja zusätzlich angucken, wenn ich weiß was „Aspartam“ ist. Von würde ich es mir zu groben (!) Orientierung wünschen. Und ja, Zucker ist gesund, aber wenn ich mir schon Ketchup reingezogen habe, muss ich danach nicht noch mehr Zucker reinschütten.

    Was Karin schreibt, kann ich auch unterschreiben.

    @Mike: Werde doch Politiker. Wenn du Gesetze machen willst, darfste aber nicht ins EU-Parlament, die machen sowas nicht.

  5.  Blacker47 schrieb am 22. Jun 2010 um 17:05

    Greg, das sollte ein Teil der Erziehung sein und diese sollte man nicht auf Etiketten abschieben. Was nützt einem ein Regal mit Konfitüre-Gläser, die alle was rotes drauf haben?

    Nach einer Weile wird es eh ignoriert, aber davor macht es Kollateralschäden (und das Problem mit „wenig Kalorien/Zucker“ und dann alles voll mit Süssmittel hat sich in den letzten 2 Jahren seit diesen Kennzeichnungen deutlich verschlimmert).

    Dagegen sollte man sich eher auf Piktogramme zu den Problemstoffen einigen statt nichtsaussagende „Ampel“. Spräche ja nicht viel dagegen wie „enthält relativ viel Zucker“, „enthält Nüsse“, „enthält künstliche Süssstoffe“. Warum gibt es das noch nicht? Stattdessen muss man sowas lustiges wie „kann Spuren von Nüssen enthalten“ lesen. Sollen die doch ehrlich sein und wenigstens schreiben „enthält Spuren von Nüssen“.

    Btw. ich habe keine Probleme mit Nüssen, finde es aber seltsam, was da oft steht.

    Ein sehr großes Problem mit solchen Kennzeichnungen wird eh unter den Tisch gekehrt: Die kann man nur richtig machen, wenn der Inhalt strikt vorhersagbar ist. Ist der Inhalt nicht hochgradig künstlich zusammengemischt und die Inhaltsstoffe nicht vor allem durch Zusätze beigemischt, variirt es teilweise sehr stark in der Menge.

    Oder wird man auf jede Banane einen roten Punkt kleben, weil es viel Fruchtzucker enthält und dafür die Bananen vorher untersuchen und die unsüssen auf den Kompost werfen?

    Solche Kennzeichnungen sorgen halt auch dafür, dass man diese, ich nenn die jetzt „Lebensmittelzusammensetzung“-Schiene noch stärker fährt – denn nur dann kann man die angegebene Werte auch irgendwie verteidigen.

  6.  Greg schrieb am 22. Jun 2010 um 17:42

    Greg, das sollte ein Teil der Erziehung sein und diese sollte man nicht auf Etiketten abschieben. Was nützt einem ein Regal mit Konfitüre-Gläser, die alle was rotes drauf haben?

    Sollte, ja. Aber mit „hätte, könnte, sollte“ kann man keine Politik machen. Und wenn man sich da der Realität nicht verweigert muss man ja sagen, dass die allermeisten Menschen davon überhaupt keine Ahnung haben. Wieviel Zucker ist denn für Ketchup verhältnismäßig viel?

    Und wer sagt denn, dass alle Konfitüre-Gläser einen roten Punkt haben müssen? Die Ampel muss natürlich nach Lebensmittelgruppen eingeteilt werden. Natürlich ist in 100g Brot weniger Zucker als in 100g Schokolade. Bei verschiedenen Brot-Sorten kann mir das aber bei der Entscheidung schon helfen, wenn die eine einen roten, die andere einen grünen Punkt hat.

  7.  Mike® schrieb am 23. Jun 2010 um 14:16

    Ich hab das schon angeschnitten, möchte es aber noch einmal präzisieren:
    Die Ampel schützt niemanden vor irgendetwas, im Gegenteil: kommt die Ampel, wird über kurz oder lang alles durch Synthetik ersetzt.
    Wenn ich in die Einkaufs-Körbe schaue, was für einen Dreck die Leute sich da reintun, möchte ich Amok laufen.
    Insofern: Ampel? Gerne, aber dann mit weiteren Buttons:
    Schlachtabfälle, Petrochemie etc.

    Wird’s nicht geben, also lieber ganz weg mit dem Quatsch.

  8.  Greg schrieb am 23. Jun 2010 um 14:20

    Doch, mir nutzt sie trotzdem was, wie ich schon sagte. Und Schlachtabfälle sind eine ganze andere Geschichte, die haben damit nichts zu tun. Wo ist das Problem, künstliche Süßungsmittel auch in den Punkt für Zucker reinzurechnen? Dann besteht das von dir beschriebene Problem nicht mehr.

  9.  Mike® schrieb am 24. Jun 2010 um 11:11

    Der „Zuckerbutton“ ist offiziell dafür gedacht, Dickmacher zu „entlarven“ (inoffiziell denke ich, dass ich mit meiner Verschwörungstheorie näher an der Wahrheit bin, dass die Chemieindustrie dahintersteckt… :P), nicht Süßes zu verdammen.

  10.  Mike® schrieb am 09. Nov 2013 um 23:18

    Demletzt im Toom vorm Regal mit sauren Heringen/Rollmops gestanden. Ich.
    5 – gefühlt 15 – Minuten. Dort gibt’s 25 – gefühlt 100 – Sorten sauer eingelegte Heringe von etwa 5 Marken/herstellern.
    Komplett alle mit künstlichem Süssstoff.
    Wird Zeit, dass die Ampel endlich kommt, damit das in anderen Märkten auch endlich so ist.

    Ich prangere an, dass es tatsächlich immer noch Läden gibt, wo man (i.d.R. eine Sorte von 15) saure Gurken kaufen kann die nach saure Gurken und nicht nach Chemie schmecken.

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