Ist Designqualität messbar?

Samstag Nachmittag bin ich via diesen Beitrages in Korstis Blog auf die Webseite bzw. einen netten Dienst des „Designministeriums“ gestossen, der mir sehr angenehm auffiel.
Konkret handelt es sich um ein Script, welches Webseiten auf verschiedene Eigenschaften hin testet, und eine zwei Listen mit Lob und Tadel ausgibt, wie auch ein herunterladbares Zertifikat zum auffe Seite babben.
Das Zertifikat spar ich mir hier, mit 63 67 83 89 Punkten von 100 ist da noch ein wenig zu tun hier.

Wie gesagt, das ist alles ganz dufte und grossartig, wer mal selber schauen möchte:
Designbewerter.

Mal etwas unter die Haube geschaut, fallen allerdings viele Kleinigkeiten auf, die helfen, oben gestellte Frage mit einem eindeutigen „Jein!“ zu beantworten.
Ich würd’s jetzt nicht direkt Tadel nennen, da einige der Probleme nicht oder extrem schwer zufriedenstellend zu lösen sind, aber machen wir eine genauere Betrachtung (vom Trash-log):

  • Es wurden 12 Fonts in den CSS- Dateien gefunden. Weiterhin wurden 5 Schriftfamilien in den CSS-Dateien identifiziert. Dies könnten weit mehr als genug sein.

    Das scheint mir ein Design-/ Denkfehler im Script zu sein. 12 Fonts sind hier nicht im Einsatz, sondern 12 Fonts innerhalb der Schriftfamilien. Irgendwie nicht ganz befriedigend die Aussage, da von den Schriftfamilien immer nur EINE Schrift verwendet wird.
    Beispiel: Überschriften=Georgia, Text=Verdana, Code=Courier (im Fallseason-theme).

    Suboptimal, dass die Schriften/Schriftfamilien für die Print-stylesheets oder alternative Stylesheets (hier auf der Seite ist das Print-css als Anschauungsobjekt doppelt eingebunden) mitgezählt werden, da sieht man schon ganz gut, an welche Grenzen eine technische Bewertung eines „Designs“ stösst.

  • Es wurde 1 Inline-Eventhandler- Attribut identifiziert. Inline-Eventhandler sollten nicht im Markup auftauchen.

    Das ist SOO nicht richtig.
    1. Gibt es auf dieser Seite hier Unmengen inline-Eventhandler (nämlich die Aufklappdinger bei den Beiträgen und/oder Kommentaren).
    2. Na und? Mir fehlt hier eine Prüfung, ob die Javascript-dinger nicht doch auch noch hart mit zünftigem (X)HTML verlinkt sind. Sind sie nämlich. Hier zumindest.

    Spätestens, wenn das so gehandhabt wurde, dürfte das Check-Script keinen Punktabzug geben, es sei denn, mir erklärt jemand, was gegen mit Fallbacks vernünftig eingebundenem Jehovascript spricht.

  • Es werden 7 Abbildungen verlinkt, aber nur 2 haben ein Alt-Attribut zur alternativen Bezeichnung. Dies stellt eine Ordnungswidrigkeit dar!

    Ich finde, dass all die Wortpressen (und überhaupt Seiten im Allgemeinen), die Alt-attribute einfügen, wo keine hingehören, nämlich bei Schmuckbildern, wie bspw. solchen wie hier die Teasergrafiken bei den Beiträgen, Strafzettel für Ordnungwidrigkeiten bekommen sollten, nicht wir 🙂
    Dies stellt ein weiteres grosses Problem der technischen Erkennung von „Design“ dar, kein Script der Welt kann erkennen, ob eine Grafik einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem Inhalt der Webseite hat. Es sei denn, man fängt wieder mit Frickelkram a la Googles „nofollow“ oder Yahoos „nocontent“ un dergleichem an, und drückt einen Standard durch, dass Schmuckbilder eine bestimmte Klasse bekämen.
    Wo mir gleich einfällt dazu, dass ich mich vor einiger Zeit irgendwo über alt=“ “ (statt alt=““) wundern durfte, am Ende kann man so solche Accessibilty- und/oder Design-check-scripte verarschen. Das probier ich mal aus 🙂

    Edit:: Herrje, das funktioniert tatsächlich 😮

Alles in allem bis auf kleine Kinderkrankheiten eine relativ runde Sache.
Design-qualität ist messbar – zumindest in einem bestimmten Rahmen.

Link: Designministerium
via: Der Designbewerter (korsti.uttx.net)

Technorati Tags: , ,

12 Kommentare to “Ist Designqualität messbar?”

  1.  Greg schrieb am 19. Aug 2007 um 10:01

    Wir haben mit Sicherheit keine Abbildungen ohne Alt-Attribute. Das wäre ungültiges HTML. Es sind nur teilweise keine Attributswerte gesetzt. Und das ist gut so!

  2.  Keulchen schrieb am 19. Aug 2007 um 17:31

    Ob es einen Grund hat, dass sich die Seite selbst nicht testen lassen will? *g*

    Grüße

    Keulchen

  3.  Mike® schrieb am 19. Aug 2007 um 19:20

    testen lässt sich das schon, nur mit komischen Ergebnis 😮

  4.  Kirby schrieb am 21. Aug 2007 um 11:29

    Danke für den Link!

    Das System ist leider noch nicht ganz ausgereift. Grafiken die mit CSS eingebunden werden, werden nicht gewertet und mir wird mitgeteilt, dass eine Seite mit nur einer Grafik langweilig sei.
    Mit den CSS-Grafiken hättet ihr übrigens euer alt-Attribut Problem nicht mehr. 😉
    BTW: Eine 401 Fehlerseite bekommt 97Punkte, u.a. weil die Farbkombination #000000, #ffffff und #0000ff gut zusammen passen. 😀

  5.  Peter K. schrieb am 21. Aug 2007 um 17:18

    Ein nettes Tool. Ob es tatsächlich als Orientierung nützlich ist – ich weiß nicht so recht.

    Obwohl bislang alle meine Layouts mit Schimpf und Schande bedacht wurden, war ich erstaunt, so viele Punkte zu bekommen.
    Der Grund erscheint mir recht einfach:
    - standardkonformes HTML und CSS
    - semantisch gut strukturierte Inhalte
    - an den Bedürfnissen von AT-Nutzern orientierte Gestaltung.

    Wir wissen aber, dass allein dies noch lange keine Ästethik ergibt.

    Und:
    - Textabsätze werden nicht als semantisch korrekte HTML-Tags bewertet?
    - mit dem Zählen der Farben scheint das Tool noch Probleme zu haben (wobei allein eine sinnvolle Anzahl sicher noch kein gutes Design ausmacht…)
    - die Details zu Schriftarten erscheinen mir auch nicht ganz schlüssig.

    Ok, die hinter dem Tool liegenden scripte sind sicher nicht ganz trivial. Vor der Arbeit des/der Programmierer(s) darf man den Hut ziehen.

    Der Aussage, dass Design auf diese Weise meßbar ist, mag ich mich dennoch nicht so ganz anschließen.

    Die ausgegebenen Meldungen jedoch – Lob und Tadel – können von Fall zu Fall jedoch unter Nutzung des gesunden Verstandes als Hinweis auf mögliche Verbesserungen betrachtet werden.

    Aber Vorsicht:
    So wie eine BITV- oder Prüfkriterien-Optimierung mit möglichst hoher Punktzahl noch lange kein wirklich zugängliches, benutzbares und sicheres Projekt ergibt, wird eine *Design-Optimierung* möglichwerweise aus Sicht der Barrierefreiheit sinnfreie Konstrukte hervorbringen.

  6.  Mike® schrieb am 21. Aug 2007 um 18:23

    Ich muss zu den Kommentaren, deren Inhalt ich weitgehend teile, nachtragen, dass ich nicht den Eindruck erwecken wollte, dass das Script das Nonplusultra ist, ich schrieb ja auch:

    Design-qualität ist messbar – zumindest in einem bestimmten Rahmen.

    Widersprechen möchte ich, dass standardkonformes XHTML/CSS/Whatever keine Ästhetik ergäbe – aber das liegt sicher im Auge des Betrachters 😉

    Was das ALT-Attribut-Problem hier betrifft, so kann man – wie auch oben angeführt – das Script „bescheissen“, indem man ein Leerzeichen reinpackt.
    Das ist allerdings der Punkt am Script, den ich als am wenigsten ausgereift empfinde; leere Attribute ob mit oder ohne Leerzeichen können nicht sonderlich viel aussagen, ausser, wie hier auch schon bemerkt, einen Ansatzpunkt für Leute mit Brain2.0.

  7.  Siegfried schrieb am 21. Aug 2007 um 19:06

    Wenn man die Trennung zwischen Inhalt und Präsentation ernst nimmt und konsequent umsetzt, dann haben Schmuckgrafiken im html Nix zu suchen. Die gehören zu 100% ins css, wo dann logischerweise das Problem mit dem alt-Attribut gar nicht erst auftritt.

  8.  Sascha Tasche schrieb am 21. Aug 2007 um 22:02

    Natürlich kann man Desingministerium.com testen.
    1. Per Kopieren & Einfügen des Quelltextes und
    2. durch einen kleinen Trick: http://fon.gs/demicom

    Viel Spaß.

  9.  Greg schrieb am 22. Aug 2007 um 10:33

    Siegfried, das sehe ich nicht so. Also in vielen Fällen gebe ich dir Recht, aber wenn ich hier in einem Beitrag ein Teaser-Bild einfüge, dann ist das ja auch ein „Schmuckbild“. Da gebe ich auch keinen Alt-Text an. Das per CSS zu lösen wäre meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Extra Markup bräuchte man so oder so und die CSS-Datei wird unnötig groß.

  10.  Mike® schrieb am 22. Aug 2007 um 14:58

    Ich denke, das ist so eine Geschichte mal wieder, wo man sich trefflich drüber streiten diskutieren kann.
    Ich bin mir da etwas unsicher und kann mich nicht entscheiden, natürlich gehört Gestaltendes ins CSS, das steht ausser Frage, nur gibt es eben, wie von Greg eingeworfen, Ausnahmen, wo die Sache nicht ganz so schwarz/weiss ist.
    So ein Teaserbild bspw. ist imho nicht nur gestalterischer Art, sondern hat einen Bezug zum Beitrag. Die Relevanz eines solchen Bildes zum Text ist aber so gering, dass man nicht nur auf ein Alternativ-text verzichten kann, sondern aus usability-technischer Sicht auch _muss_.

  11.  Max schrieb am 30. Aug 2007 um 12:08

    Natürlich ist Design-Qualität messbar und natürlich ist Design-Qualität nicht messbar! Messbar ist sie auf Basis eines Bewertungswerkzeuges – nur wer dieses erstellt legt ja schon wieder Subjektivität in die Betrachtung. Letztendlich ist Design – so wie Schönheit: Da scheiden sich die Geister…

  12. [...] zur Verdeutlichung des Problems her. Qualidator.com ist eine Seite ähnlich des demletzt hochgelobten Designministeriums, die Webseiten auf verschiedene Eigenschaften und Barrieren hin testet. Technisch ein etwas [...]

Trackback-Adresse | RSS-Feed für die Kommentare abonnieren

Hinterlasse einen Kommentar:


(Wir behalten uns vor Kommentare von dummen Menschen entweder zu löschen oder exemplarisch für die Nachwelt zu konservieren. Dumme Kommentare mit Werbelinks müssen leider auf zweiteres Privileg verzichten.)

XHTML: Du kannst diese Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>