Lieber Jan Delay

Als jemand mit einem sehr breit gefächerten Musikgeschmack – Klugscheisser und übelmeinende Zeitgenossen ersetzen bei mir, wenn es um das Thema geht „Geschmack“ duch „Konsum“ – habe ich mir noch einen Rest Würde bewahrt und mich bisher neudeutschem Hip-Hop-Gedudel verschlossen.

Das wird auch weiterhin bis in alle Ewigkeit so bleiben, allerdings habe ich als Taz-abonnent und somit auch mehr oder weniger zwangsläufig gelegentlicher Taz-leser heute die grossartige Gelegenheit bekommen, lesenderweise ein wenig Einblick, was in Hiphop-Hirnen gewöhnlich so rumdudelt, bekommen.

Vorweg, ich finde nicht ausschliesslich, dass Du eine extreme Klatsche hast oder ganz ganz komisches Zeug rauchst (oder beides), nein, bei ein paar Sachen bist Du mir auch sympathisch. Das wären so die Dinger aus der Steineschmeisser-Kategorie oder aus der Bono-diss-ecke. Tätschel, fein, feil daran. Vielleicht schaffst Du’s irgendwann, dass ich mir auch mal die Kaspermugge reinzieh.

Wo ich, um mal langsam das Honig ums Maul Geschmiere einzustellen, aber mich frag‘, wie krank und klatsche man sein muss, mit permanentem Klingeln im Hinterkopf, ob der gute Mann da nicht doch die Taz-Schergen auf den Arm nimmt, sind dann Sachen wie:

  • die Bewegung 2. Juni finde ich gut. Aber trotzdem reimt sich nun mal „Ensslin/Benzin“ so geil.
  • Taz zum Thema Totdiskutieren: Darin waren die RAF-Leute aber auch nicht schlecht.
  • Delay: Ah, die haben alles totdiskutiert! Und humorvoll waren sie gar nicht. Aber Andreas Baader hat gute Klamotten getragen.

Schluck.

  • Taz: Sind Sie bei Attac? Was Sie sagen, klingt wie deren Statut …
  • Delay: Nee, ich hatte eigentlich gar keine Ahnung von G 8, und da habe ich gesagt, wenn ich Interviews gebe, schreibt mir doch mal ein paar gute Sätze auf

Das ist jetzt nicht wahr oder?

  • Delay: Auch wenn man dabei Nikes trägt, wie ich es tue.
  • taz: Ohne dabei Kinder auszubeuten, wie Sie mal gesagt haben – wie geht das?
  • Delay: … Wenn ich anfange, alles, was ich käuflich erwerbe, auf Fair Trade und diesen ganzen Scheiß abzuklopfen, dann müsste ich im Kartoffelsack in der Einöde abhängen und mein eigenes Korn anbauen. Und ich bin nun mal ein Schöngeist, das geht nicht zusammen.

Dummkopf heisst sowas, nicht „Schöngeist“.

eine tiefe Vebeugung trotz allem Dummschwafel gibt’s von mir zu:

  • Taz: Warum wird es gefährlich, wenn Beckham auch eins (Palituch) trägt?
  • Delay: Weil jetzt auch 14-jährige Poppermädchen auf Wochenendbesuch vom Internat an der Alster rumlaufen und Palituch tragen. In dem Moment frage ich mich: Wo sind denn eure Steine?

Komplettes Interview: Jeder muss zum Bono werden (Taz)

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13 Kommentare to “Lieber Jan Delay”

  1.  Mike® schrieb am 06. Mai 2007 um 22:40
    • Greg: naja… zu viel gekifft…
    • Greg: oder an dem Tag noch nicht genug
    • Mike: wenn Du nich kommentierst, quote ich das

    😮

  2.  Korrupt schrieb am 06. Mai 2007 um 23:25

    Hm, ich mag Delay. Hast du mal von Christoph Spehr „Die Aliens sind unter uns“ gelesen? Darin stellt er die These auf, dass die Abwicklung des Kapitalismus ein durchaus lustvoller und hedonistischer Prozess sein kann, vielleicht sogar muss, soll sie stattfinden. Delay hat das ansatzweise kapiert, ich wuerd auch einzelne Sachen kritisieren wollen, was er sagt, aber ich denk, die Richtung ist ne richtige, es lohnt sich, ihm nachzudenken.

    Ich nehm btw. der taz die Titelzeile ybel. Viel mehr als Delay was auch immer von seinen Statements.

  3.  Mike® schrieb am 06. Mai 2007 um 23:28

    Ja, Titelzeile passt irgendwie nicht zum Text, vor allem wo er ja quasi das Gegenteil impliziert. Was das Buch betrifft: nein hab ich nicht gelesen. Nach dem, was ich da heute erstmalig von Delay aufgenommen habe, bezweifle ich aber ernsthaft, dass er irgendwas kapiert hat 🙂

  4.  Mike® schrieb am 08. Mai 2007 um 0:24

    Ich kenne das schon, und weiss, dass ich das Gejaul nicht hören mag.
    Mein herzallerliebster kleiner Bruder hört den Kram – zumindest die paar Sekunden bis der grosse Bruder ein lautes und deutliches Machtwort spricht.
    „Ey, musstu Dir mal anhören, das ist echt phatt und so, die Texte sind voll Punk …“ „Nein!“ 😉
    Nee, ernsthaft, textuell mag das unter Umständen dufte und ratsam sein, von der Mugge selbst aber bekomm‘ ich Ausschlag.

  5.  Keulchen schrieb am 08. Mai 2007 um 0:07

    Mein lieber Herr Gesangsverein,

    Jan Delay sollte man wirklich mal gehört haben bzw. Eißfeld, wenn man ins „Absolute Beginner“-Umfeld abtaucht. Eine feine Stimme hat der Kerl (ich gebe zu, darüber lässt sich streiten). Keulchens Tipp:

    Lasse er sich ein Exemplar „Bambule“ von den „Absoluten Beginner[n]“ zukommen. Feine Musik, ganz fein und so herrlich anders als Bushido, Mikado und Fleri-Flari-Flurry.

    Gehabts euch wohl

    dat keulchen

  6.  Greg schrieb am 09. Mai 2007 um 17:59

    Weils so schön passt und ich nicht extra einen Artikel schreiben wollte:

    http://www.spiegel.de/kultur/g.....94,00.html

    Der Artikel ist groß. „Global denken, standby handeln.“

    PS: Keulchen, ich seh das auch so.

  7.  Mike® schrieb am 09. Mai 2007 um 20:07

    Herrje, da hab ich Spon nun schon so oft lobend und liebend erwähnt und verlinkt, nun bedienen die sich hier ungeniert an meinem Content, da hätten die auch mal ’nen Backlink spendieren können.
    Undankbares Volk, ich lass jetzt einfach mal meine Anwaltsmeute von der Leine, so geht das nicht!!11eins
    😀

  8.  classless schrieb am 10. Mai 2007 um 21:27

    Ich bin von einigen gefragt worden, ob ich ein Entschwörungs-Posting zu Jan Delay machen würde, der sich zuletzt u.a. in der taz und beim zeit zuender über G8, RAF und anderes äußerte.

    Allerdings ist das einerseits Tontaubenschießen und andererseits nimmt er sich wohl selbst nicht halb so ernst, wie er genommen wird. Ja, der Konspirationismus winkt aus seiner Überzeugung, mit der er die Zweifel an den RAF-Anschlägen in den 80ern zur definitiven Nichtexistenz der 3. Generation macht. Hier wie auch in seinen nicht sehr originellen Politik-Karikaturen biegt er sich zimmert er sich eine Rechtfertigung dafür, daß Radau und Gewalt gegen Sachen schon okay sind und die Begleiterscheinungen (Tote, Beschränktheit) letztlich keine Rolle spielen.

    Aber wenn ich lese, wie das von Leuten wie Reinhard Mohr benutzt wird, um die gesamte Globalisierungskritik und am besten gleich die ganze linke “Sozialromantik” mitzuerledigen, mag ich mich an dem Spiel nicht beteiligen.

    http://www.classless.org/2007/.....jan-delay/

  9.  jafeth mariani schrieb am 14. Mai 2007 um 0:42

    Ich habe ähnlicher wie du auf mein Blog http://jafeth.blog.de gepostet. Jan soll lieber musik machen wenn er so ein Schwachsinn redet. Er soll vor allem mal etwas über Gandhi lesen. Er hat eine Nation befreit ohne Steine und ohne brennende Autos.

  10.  Keulchen schrieb am 14. Mai 2007 um 1:07

    Imho kann man das nicht wirklich vergleichen jafeth. G8 und die Befreiung von einer Kolonialmacht sind doch schon 2 paar Schuhe. Genauso stehts mit den Voraussetzungen. Nachts ist’s kälter als draußen erscheint mir da ähnlich sinnvoll.

  11.  Jan Delay schrieb am 16. Mai 2007 um 18:29

    Ich finde Jan super 😉

    Seine Videos sind auch alles andere als Sido, Bushido und Co…

  12.  Sanníe schrieb am 04. Jun 2007 um 15:34

    Schlimmes Interview in der Tat. Allerdings glaube ich auch, daß er sich nicht halb so wichtig nimmt, wie seine Statements manchmal klingen.

    Wie aber seine Musik klingt, kann man doch nicht ernsthaft in einem Wort zusammenfassen!? Kiffer-Schrammelsound der 90er-Absoluten Beginner, Reggae von Jan Delay 2001 und heute der Funk auf Mercedes Dance… kann man alles mögen, aber alles nicht mögen? Unmöglich!

  13.  Greg schrieb am 05. Jun 2007 um 15:34

    Laboom sollte man da nicht vergessen, Sannie. Das ist auch nochmal ne ganz andere Richtung.

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