Relaunch: Deutscher Bundestag

Mein erster Eindruck zum Relaunch der Webseite des Deutschen Bundestages war eigentlich der Art, dass ich hier eine Lobeshymne verfassen müsste, wenn ich was dazu sagen will. Hübsch, übersichtlich, richtig angenehm.

Leider ist’s aber dann doch so, dass, je tiefer und genauer man sich dieses Machwerk anschaut, man über unzählige altbekannte Barrieren stolpert, die nicht aufhören wollen mehr und mehr zu werden, dass es eine wahre Freude ist.

Mein Magengeschwür meldet sich schon bei meinem stets ersten Griff zu STRG+Plus; ein elastisches Layout mit vertikalen und horizontalen Scrollbalken. Das ist ja mal wieder innovativ barrierefrei. War da was? Ach ja.
Schlimmer wird es, wenn man sich im Browser eine minimale Schriftgrösse eingestellt hat. Die „Hauptbox“ (.infobox) hat als Hintergrund eine 500px breite Grafik, sodass der weisse Text ins Hellgraue läuft. Innovativ, ich hätte ja ganz oldstyle eine Hintergrundfarbe definiert und den halben Broiler rechtsbündig als Hintergrund verwendet. Sähe vernünftig aus wie gewollt und würde immer funktionieren.
Aber mich fragt ja zum Glück niemand.

Im „TV-Programm“ (ähnlich in „Termine“) rutschen die Überschriften ins Nichts, und die Scroll-leiste rutscht unterhalb die Box. Sieht so aus. Auch hübsch! Wenn Grafiken deaktiviert sind scrollt übrigens garnix.

Ein Konzept für Alternativtexte gibt’s keins, stattdessen wird munter einfach ständig und immer wieder eine Bildbeschreibung verwendet, die entweder aus zugehörigem Text klar wird, oder dort – tada! – auch haargenau schon steht. Kotzprobe gefällig?

Reichstagsgebäude
Reichstagsgebäude
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

So ginge das weiter und weiter, wenn die Agentur (oder wer auch immer) nicht zwischendurch immer mal wieder reichlich Pralinchen a la:

Auf Buch zu Lissabon-Vertrag liegt ein Grundgesetzbuch
© dpa – Report

Will das jemand wissen? Welchen Informationsgehalt hat das?
Und vor Allem; warum hat DPA da ein Copyright drauf? Hab gerade kein Grundgesetzbuch zur Hand und einen Lissabon-vertrag auch nicht, aber mich kribbelt es so derb mal wieder was voll Illegales zu tun…

Den Bundesbroiler links kann man was fragen, man kann es aber auch lassen, ich weiss nämlich die Antwort auf alle Fragen. Nein, nicht 42, sondern

The IQ Agent is currently offline.

Noch paar Kleinigkeiten im Schnelldurchlauf, schliesslich wird das keine Doktorarbeit:

  • Ausschreibungen gibt’s als pdf statt Reintext
  • Über Aufklappmenüs in Webseiten darf man gern geteilter Meinung sein, wenn diese bei kleinem Fenster oder grosser Schrift im Nichts landen wird’s dann aber wirklich ziemlich sinnlos, dann kann man diese auch gleich ganz weglassen.
  • Scrollleiste im TV-Programm ist mit JS aufgehübscht, auf deutsch: nicht mit Scrollrad scrollbar
  • Page-zoom noch mal: vom Browser hochskalierte Bilder sehen Scheisse aus, da beisst die Maus keinen Faden ab
  • das Seitenlogo; was fange ich mit:

    Bildwortmarke: Deutscher Bundestag

    an? Und warum zur Hölle ist das keine Überschrift?
    Und warum ist die im Englischen und Französischen keine Bildwortmarke? Hat da mein Geld nicht gereicht?

Ööh, reicht für heute, hat mir auch ganz sicher keinen Spass gemacht.

Link: Deutscher Bundestag (bundestag.de)

2 Kommentare to “Relaunch: Deutscher Bundestag”

  1.  Greg schrieb am 12. Aug 2009 um 16:56

    Schlecht ist es aber – vor allem im Vergleich zu vorher – nicht. Für das JS-Gedöns gibt es immerhin Fallback-Lösungen, was auch nicht immer selbstverständlich ist.

    Wichtiger ist eh der Relaunch des Deutschen Bundestages am 27. September 😉

  2.  Paul schrieb am 12. Aug 2009 um 19:52

    Ich finde die Seite zu 80% gelungen. Den Hintergrund finde ich katastrophal und die meisten Effekte braucht doch wirklich kein Mensch.

    Einen Fehler hab ich dann doch noch gefunden: Home -> Hilfe -> Volltextsuche = http://suche.bundestag.de/volltextsuche.jsp

    Naja. angeblich hat diese Homepage eine über Million Euro gekostet. Angeblich ~1,3

    So ein Dreck….

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