Spiegel Online 7.0

Alle reden von Web 2.0 – SPIEGEL ONLINE ist schon viel weiter

schreibt Spiegel Online. Und tatsächlich hat sich einiges getan. Die Startseite hat noch (?) über 300 Fehler im Quelltext. An Javascript-Kram wurde auch nicht gespart. Darüber, ob das Team nun HTML oder XHTML verwenden wollte, scheint man sich selbst nicht einig gewesen zu sein. Es gibt zwar einen HTML 4.01 Strict Doctype, aber inhaltlose Elemente werden trotzdem mit einem Slash geschlossen (z.B. <br />). Strict wäre die Site aber auch in XHTML nicht. Das target-Attribut kommt z.B. ständig vor.

<div class="spDottedLine"></div> hätte man auch eleganter lösen können – wenn man denn wüsste, was man tut. Mit dem Zeichensatz iso-8859-1 darf man Umlaute auch einfach schreiben, statt Entitäten zu verwenden. Falsch ist das zwar nicht, aber es zeigt, dass der/die Webauthor(en) wenig Ahnung von dem hatten, was sie tun.

<h4>IN EIGENER SACHE</h4>
<h3>SPIEGEL ONLINE 7.0</h3>

Warum h4 hier vor h3 kommt, ist einfach: die Überschrift vierten Grades soll kleiner sein, als die dritten Grades. Dass man das auch mit CSS machen kann, scheint nicht jeder zu wissen. Auch die Schrift in Großbuchstaben hätte man eher mit CSS machen sollen.

Allerdings muss man auch sagen, dass die neue Version nicht nur schlecht ist. Die alte Site war ein schreckliches Tabellenchaos und schien von „semantischem Quelltext“ noch nichts gehört zu haben. Das hat sich mit der neuen Version deutlich verbessert. Auch der größere Zeilenabstand gefällt mir gut.

Die Übersichtlichkeit hat sich m.E. nicht erhöht. Die Mehrspaltigkeit im unteren Bereich der Site macht das ganze eher unübersichtlich, obwohl es wohl eigentlich das Gegenteil bewirken sollte. Auch die Dropdownmenus oben bei den Kategorien finde ich eher unpraktisch. So genau will ich die News gar nicht geordnet haben. Darüber kann man aber streiten.

Das war nur mein erster Eindruck und evtl. wird ja auch noch an der Site gearbeitet und Fehler beseitigt. Am Inhalt scheint sich nichts geändert zu haben…

Nachtrag Auf Web 2.0 scheint man aber trotzdem zu machen, auch wenn man ja eigentlich „schon weiter“ ist. Artikel werden mit Tags versehen, die man dann mit den (von mir gehassten) „Tag-Clouds“ angesurft werden können. Angesichts der extrem schlechten Suche ist das evtl. gar nicht so schlecht. Allerdings finde ich beides sehr unpraktisch. Eine vernünftige Suche wäre da imho das bessere Feature gewesen!

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7 Kommentare to “Spiegel Online 7.0”

  1.  Mike schrieb am 07. Sep 2006 um 2:23

    Boah, da is echt jede Menge passiert. Ich weiss, ich mache mich extrem lächerlich und laufe wahrscheinlich Gefahr meine excellente Reputation als vergrämter Nörgler zu verlieren, aber: Hut ab!
    Wenn man mal von der unmöglichen Div-suppe (code-text-ratio 17% – iiiek) und den bereits genannten berechtigten Argumenten von Greg absieht, ist das schon mal astronomische Einheiten von dem Müll, den man dort bisher sehen, durfte entfernt.

    Was ich noch nich ganz checke ist, wozu da die Tonnen an Javascript gut sein sollen; ist das so ’ne Art Ajax für Deppenbrowser? Kann es sein, dass man da konzeptionell grad arg bekifft war, dass man die Kategorieteaser auf der rechten Seite für non-js-browser unzugänglich gemacht hat? Wenn ich mich recht erinner‘, ging das bisher ohne JS, nun sind da clevererweise die Punkte via JS generiert; Deppen halt.

    Die Aufklappmenüs finde ich schon mal einen grossen Schritt in die richtige Richtung, nun wird einem im Vergleich zu bisher damit nur noch 25% ins Hirn gefickt.
    Und was man selten im Netz bei solchen blöden Wackel-Menüs sieht: sie funktionieren auch ohne JS. Dafür einen Punkt für die Webdeppen beim Spiegel.

    Alles in allem relativ gelungen, aber mutlos, inkonsequent und halbherzig und in Teilen planlos umgesetzt.

  2.  Missi schrieb am 07. Sep 2006 um 11:00

    Einfach mal aus Interesse: Kommt ihr an einer Seite vorbei, ohne die durch den Validator zu jagen? 😀

  3.  Greg schrieb am 07. Sep 2006 um 11:07

    Kommt vor – aber eher selten 😉

  4.  Mike schrieb am 07. Sep 2006 um 14:16

    Missi, wenn man ’ne Extension* im Browser hat, die ausnahmslos jede Seite checkt, macht sich das schwer 🙂

    * http://users.skynet.be/mgueury/mozilla/

  5.  Mike schrieb am 08. Sep 2006 um 16:48

    Ok, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil, und kann hier nur wieder sagen, was ich gern und oft zu dem Thema sage: Programmiern, die sich an wehrlosem HTML+CSS vergreifen, sollte man die Finger abhacken!
    Seh grad erst, dass die Experten da so clever waren, alles absolut zu positionieren, das is nich web 7.0 das ist ganz genau, was sich ein Kiddie bei seinen ersten Gehversuchen in Dreamweaver zurechtklickert.

    Obendrein ist der sichtbare Bereich fast genau 800px breit, das macht sich bei ner 800er Auflösung super, solang kein Scrollbalken da ist.

    Knorke, Hut Finger ab!

  6. [...] Das Problem ist also erkannt, wann folgen Taten? [...]

  7. [...] ab davon dass keine Sau, ausser vereinzelt ein paar komischen Freaks, die sich Tidy für sowas installiert haben, interessiert, ob eine Webseite den Webstandards [...]

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