Teure 0 Cent

Wir leben ja im Kommunikationszeitalter, ein verdammt großer Teil der Menschen in Europa hat ein Handy.
Aber nur mit dem Gerät wird man auch nicht glücklich, deshalb braucht man einen Anbieter. Was wäre einfacher – überall locken die Firmen mit ultragünstigen Tarifen!
Ich habe mir überlegt, auf den Tarif „Zero“ vom österreichischen Anbieter A1 umzusteigen. Die Werbung klingt ja nett – 10€ Grundgebühr, ich bestimme, in wieviele Netze ich „um 0 Cent“ telefonieren will. Werbung schön und gut, zum Glück habe ich aber eine Schwäche für Verträge und andere „normierte“ Dokumente. Also hab ich mir die Leistungsbeschreibung von besagtem Tarif besorgt.
Beim Lesen wird einem immer klarer, warum A1 diesen Tarif anbieten kann und nicht pleite geht:

Die Geschichte um 10€ im Monat gibt es zwar schon, aber dafür kriegt man nur Gratisgesprächte im eigenen Netz (mobilkom A1 und ihr Festnetz); alles andere kostet 0,25 Cent in der Minute. Außerdem verdreifacht sich die Grundgebühr nach einem Jahr, der Vertrag ist aber für mindestens 2 Jahre bindend. Zusätzlich verpflichtet man sich, für die ganzen 24 Monate ein extrem nützliches „vodafone live“-Paket zu kaufen (was das kostet steht nirgends besonders prominent). SMS sind auch nicht völlig kostenlos, wie beworben, nur die ersten 1100 SMS im Monat sind frei (gesendet + empfangen), alles darüber kostet wieder 0,25 Cent. Genauso verhält es sich mit den Festnetzminuten (1100 Freiminuten, alles darüber kostet). Ein Wechsel aus einem anderen Tarif kostet einmalig 49€ (!), danach darf man 24 Monate keine Neuanmeldungen oder Tarifwechsel durchführen.

Mit einem „Wahlnetz“, also einen Netz, in das man auch „um 0 Cent“ (sprich 1100 Minuten) telefonieren kann, kostet der Spaß im 1. Jahr 10€ (plus das komische Paket), im zweiten Jahr vervierfacht (!) sich die Grundgebühr auf 40€. Der Wechsel des „Wahlnetzes“ ist einmal im Monat möglich und kostet günstige 49€.

Wer sich alle Netze um 0 Cent ertelefonieren will, zahlt dann 80€ im Monat. Auch hier kommen wieder alle anderen Gebühren und Pakete dazu. Die Grundgebühr bleibt aber dieses Mal auch im 2. Jahr bei 80 Euro. „Um 0 Cent“ heißt auch hier wieder 1100 Freiminuten (in alle Netze gemeinsam, nicht für jedes einzeln). Also eigentlich auch nichts für Geschäftsleute oder pubertierende Teenager.

So wird Geld gemacht – so und nicht anders. Die Provider wissen schon, wie man die Leute anständig hinters Licht führt. Spätestens nach einem Jahr kippt man aus den Latschen, wenn man die Rechnung sieht.

3 Kommentare to “Teure 0 Cent”

  1.  Greg schrieb am 16. Nov 2006 um 11:41

    Nennt man das „Profit by Obscurity“? Ich weiß schon genau, warum ich nur Prepaid-Karten nutze. Da kann einem nichts passieren und man muss sich keinen Kopf machen.

  2.  crashkid schrieb am 17. Nov 2006 um 21:01

    Das Problem an der Sache ist, dass sich viel zu wenig Leute die Vertraege genau durchlesen um eben nicht in solche Fallen zu tappen. Gerade Jugendliche fallen daher oftmals auf diese Vertraege herein und tappen so in die Kostenfalle.
    Was ich sehr interessant finde ist, dass der Preis des verbindlichen “vodafone live”-Paket nicht angegeben ist. Hier in Deutschland wuerde ich darauf wohl den Verbraucherschutz loslassen. Ich weiß allerdings nicht wie es bei euch in Oesterreich aussieht und ob ihr etwas vergleichbares habt.

    Man kann nur auf das hoeren was immer und immer wieder gepredigt wird und sich Vertraege lieber einmal zu viel durchlesen als irgendwas zu unterschreiben und sich dann zu wundern, wenn es frueher oder spaeter sehr sehr teuer wird.

    Den Betreiber sollte man meiden, denn wer so eine Geschaeftspolitik betreibt hat in meinen Augen das Kriegsbeil gegen den Kunde erhoben und die Grundregel der Marktwirtschaft – „der Kunde ist Koenig“ – mit Fueßen getreten. Wo ich als Kunde nicht als hoechstes Gut angesehen werde, lasse ich mir auch keine Vertraege andrehen. Punktum. Ich hoffe ihr denkt da aehnlich.

  3.  Andreas schrieb am 02. Dez 2006 um 8:41

    Könnt Ihr Euch vorstellen, wieviel Geld ein Unternehmen verdienen würde, welches offen und ehrlich, statt verarschend und verdummend mit den Kunden umginge? Die Leuten würden so einem Unternehmen doch die Bude einrennen.

    Naja, ich füchte, vermutlich würde das doch nicht geschehen. Zu pflegmatisch sind die Leute geworden. Wenn ich daran denke, wieviele Kunden die Telekom halten konnte, nach allem, was sie sich in den Jahren ihrer Vorherschafft geleistet hat, und nach allem, wie sie dann den Kunden nochmal richtig hat bluten lassen, als der Markt privatisiert wurde, und sie vorher nochmal kräftig die Preise erhöhten. Kann sich daran noch jemand erinnern?

    Aber, diese „Angst“ der Manager, man würde nichts verdienen, wenn man die Kunden nicht hinters Licht führen würde, wenn man ihnen keine Knebel-Verträge unterjubeln würde … ist ätzend. Erbärmlich. Und … so meine feste Überzeugung … völlig an dem vorbei, was WIRKLICH passieren würde.

    „ja“, sagt Manager A, „aber die anderen machen es doch genauso. Wir müssen unsere Kunden also auch auf diese Art verarschen und an uns knebeln, weil wir sie sonst an die Konkurrenz verlieren würden. DIE kämpft nämlich mit allen Mitteln.“ Und das selbe sagen Manager B bis Z.

    Ängstliche, jämmerliche, bedauernswerte Kreaturen. Die Manager, nicht die Kunden. 😉

    Ich hatte Jahrelang kein Handy. Einerseits wollte ich nicht ständig überall und immer erreichbar sein. Andererseits wollte ich mich auch nicht verarschen lassen von den Unternehmen, mit ihren Pseudo-Supertollen Angeboten, die mich dann mittels einer undurchsichtigen Tarifstruktur über den Tisch ziehen wollen. Es gibt überhaupt keinen GRUND, warum das Telefonieren z.b. in einer Hauptzeit teurer sein muß, als in einer Nebenzeit.

    Überhaupt schon diese Unterscheidung! Das wäre so, als wenn die Automobilhersteller Autos verkaufen würden, die Abends und Nachts weniger Sprit auf 100km verbrauchen würde, als Tagsüber. Oder, daß die Ölkonzerne Sprit verkaufen, der sich Tagsüber schneller verbraucht, auf 100km, im Verhältnis zu Abends.

    Was für ein Quatsch.

    Geldschneiderei. Mehr ist das nicht. Leute verdummen, irritieren und verwirren, und möglichst im Unklaren über alles lassen, damit man sie lange genug bluten lassen kann.

    Nun gut, im Tcom-Bereich hatten die Unternehmen ja auch einen guten Lehrmeister. Die Telekom hat’s ja vorgemacht.

    Aber, diese Kundenverarschung erstreckt sich ja auf alle Gebiete. Sie (die Unternehmen, aber auch der Staat, sprich die Beamten, und natürlich die Politiker), wollen eben dumme Schafe, und keine aufgeklärten und informierten Kunden.

    „Kauf den Scheiß, den ich Dir anbiete. Gib mir Dein Geld. Friss das, was ich Dir gebe und halte die Klappe. Du bringst 1500 Euro im Monat nach Hause. Wir wollen nicht, daß Du das Geld behältst. Also: schön bei uns abliefern, und Klappe halten! Und … stell keine Fragen! Die Antworten würden Dich noch mehr verwirren. Du verstehst das alles eh nicht. Ist alles viel zu komplex für Deinen müden, kleinen Verstand. Wir wollen Dir doch nichts böses. Wir machen das schon alles richtig und gut für Dich. Und so wie wir es machen, muß es sein – anders geht es gar nicht. Vertraue uns. Und gib uns Dein Geld. Und, wie gesagt, halte die Klappe …“

    Natürlich sagt das niemand so deutlich. Aber, wenn man mal die Verträge, die AGB’s und die Bedingungen der Unternehmen „übersetzt“, dann kommt obiger Text dabei heraus.

    😀

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