Google’s Chrome

Man kann es ja schon fast nichtmehr lesen, die Blog- und Newsbeiträge zu Googles neuem Browser Chrome. In Ermangelung eines Windows-Systems in Reichweite konnte ich die Software bisher zwar nicht testen, dieser Beitrag soll aber auch weniger auf die eigentlich Software eingehen, sondern auf die Diskussion und auf die neue Doppelrolle Googles.

Das generelle Abfeiern des Browsers schon jetzt kann ich nicht nachvollziehen. Die Oberfläche sieht für mich nicht besonders innovativ aus, vielmehr denke ich dabei an eine Mischung aus Opera (Tabs ganz oben), IE7 und Firefox 3. Die ebenfalls häufig gelobten separaten Prozesse für jedes Tab hat der IE 8 auch, Firefox wird nicht lange auf sich warten lassen. Die angeblich so tolle neue JavaScript-Engine V8 scheint zwar wirklich schnell zu sein, allerdings wird Mozillas TraceMonkey (kommt in FF 3.1) noch schneller werden.

Der neue Krieger im Browser War wird vermutlich neue Innovationen fördern, ob allerdings auch der innovativste Browser gewinnt, ist für mich fraglich. Wenn Google seine Unterstützung für Firefox einstellt – was durchaus verständlich wäre – könnte das für Firefox natürlich ein erheblicher Nachteil sein. Chrome könnte dadurch evtl. Firefox-Aussteiger gewinnen. Entscheidender wird wohl aber noch Googles Doppelrolle als Browser-Hersteller und Web-Service-Anbieter sein. Google wird Webservices und Browser aneinander anpassen und zusätzliche Software integrieren. So wie Microsoft den Internet Explorer im ersten Browserkrieg durch die Integration in Windows an die (lange Zeit) unangefochtene Spitze setzen konnte, könnte jetzt Google eine ähnliche Monopolstellung erringen. Durch diverse Voreinstellungen (die es zwar in Firefox auch gab, die aber immerhin gegen die FF-Community durchgesetzt werden mussten) könnte Google seinen Marktanteil bei der Suche, aber auch bei anderen Diensten weiter ausbauen.

Durch Desktopshortcuts zu Webservices (öffnen in eigenem Chrome-Fenster ohne „Adressleiste“ etc) und die Integration von Google Gears in Chrome könnte Google auch Firmen davon überzeugen seine Bürosoftware (Docs, Calendar, etc.) über den Browser zu nutzen. Google Gears ermöglicht es, Webapps auch ohne Internetzugang weiter nutzen zu können. Die Daten werden von Gears synchronisiert, sobald wieder Internet verfügbar ist. Das ist natürlich ein Frontalangriff auf Microsoft – mit eigenen Waffen sozusagen.

Als Open-Source-Software (OSS) könnte die bessere Integration von Webdiensten in den Browser zwar auch anderen helfen, trotzdem sollte man diese neue Doppelrolle Googles kritisch sehen. Wer weiß, vielleicht kommt bald auch ein Gerichtsverfahren auf Google zu, wie es Microsoft wegen der Integration des Media Players in Windows hinter sich hat.

6 Kommentare to “Google’s Chrome”

  1.  Mike® schrieb am 03. Sep 2008 um 22:00

    Ich sehe ehrlich gesagt, keinen schlagenden Grund, diesen Browser zu nutzen. Das Einzige, was er, soweit ich das überblicke, anderen Browsern voraus hat, sind die stark erweiterten Möglichkeiten zum Datensammeln.
    Was Geschwindigkeit und Innovation betreffen, so sehe ich da keine Unterschiede zu anderen Browsern.
    Einzig das Feature der unterschiedlichen Prozesse ist ein kurzes Überlegen wert – *überleg* – wie oft stürzt mein Browser ab mit allen Tabs? Ein Mal im Monat etwa.
    Na dann.

  2.  Kirby schrieb am 04. Sep 2008 um 11:54

    Ich kam leider noch nicht dazu Chrome zu testen, aber aus Berichten konnte ich zumindest zwei Vorteile entdecken.
    Zum einen bietet er die Möglichkeit in einem Tab anonym zu surfen. Inwieweit es wirklich anonym ist kann man sich bei Google sicherlich denken, aber da die Funktion auch beim IE8 enthalten, wird der Feuerfuchs da wohl auch nachziehen.
    Außerdem gibt es endlich eine vernünftige Entwicklungsumgebung für einen KHTML/Webkit-Browser, womit Safari afaik bisher nicht dienen konnte.

    Fazit: Neuer Browser zum testen und Ansporn für FF, Opera und Co.
    Wer den zum normalen Surfen benutzt ist selbst Schuld.

  3.  Mike® schrieb am 04. Sep 2008 um 12:08

    Kirby, worin unterscheidet sich der als „Entwicklungsumgebung“ von Safari (oder von Konqueror)?

  4.  Greg schrieb am 04. Sep 2008 um 14:13

    Anonym surfen würde ich das nicht nennen, nur weil auf dem eigenen Rechner keinen Daten darüber gespeichert werden. Trotzdem finde ich den „Porno-Button“ ganz praktisch.

    Testen werde ich Chrome bei Gelegenheit auf jeden Fall. Im Video sieht die Bedienung (wie man es von Google kennt) wirklich leicht und „flutschig“ aus. Wie mann zB Tabs verschieben oder in ein neues Fenster ziehen kann. Ich bin schon ein wenig gespannt.

  5.  Saint Germain schrieb am 04. Sep 2008 um 16:41

    Google-Chrome ist sehr schnell, aber es gibt keine addons…. Firefox ist „THE BEST“.

  6.  Stefan schrieb am 11. Sep 2008 um 15:51

    Der Browser ist schon sehr geil – nichtsdestotrotz würde ich den AGBs nicht zustimmen wollen

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